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Preisverleihung Prix Lignum Nord 2024 in Untersiggenthal



Der alle drei Jahre verliehene Prix Lignum zeichnet die bestenneuen Schweizer Holzbauten und Schreinerarbeiten aus. Am Freitag 20. September wurden die acht ausgezeichneten Projekte in der Preis-Region Nord geehrt. (AG, BL, BS, SH, SO, ZH)

Kategorie Holzbauten

Wiederverwendbare Sportbauten, Zürich | Gold national

Das modulare Prinzip erlaubt Konfigurationen mit einer oder zwei Turnhallen und Nebenräumen. Anstatt – wie im Modulbau üblich – Böden, Decken und Wände unnötig aufzudoppeln, dienen Zwischenräume als Entrée oder Flur. Die allerorts zugänglichen Schraubkonstruktionen und bisweilen ausgefuchste Details wie die flächenbündig verschraubten Doppelstützen der Turnhallen ebnen einem unbeschadeten Rückbau den Weg. Aussen präsentieren sich die Provisorien angenehm leichtfüssig. Hinter Wellplatten aus Scobalit sieht man den Kreuzrost der Hinterlüftung und einfache Pavatexplatten. Je nach Ort lassen sich Aussenstützen und Latten in verschiedenen Farben streichen.

FCZ-Trainingszentrum, Zürich

Das neue Trainingszentrum des FCZ orientiert sich am Massstab des Ortes und spielt dabei mit dem Bild der Cabana, einer einfachen Hütte für den Arbeiterclub. Die blau-weissen Storen zeigen unmissverständlich: Hier ist Zürcher Identität daheim. Im Baurecht für 30 Jahre gebaut, musste das Trainingszentrum möglichst günstig sein. Statt in einem teuer betonierten Untergeschoss liegt die Haustechnik eingehaust zwischen den hölzernen Zangenstützen des Kaltdachs. Die Druckimprägnierung und die seidenmatt sepiabraune Ölbehandlung machen die Fassade ruhig und langlebig. Das Stabwerk aus Holz prägt sowohl die Fassade als auch die Innenräume.
Bauherrschaft: FCZ-Trainingszentrum, Zürich; Architektur: Rolf Mühlethaler, Bern; Holzbauingenieure: Schnetzer Puskas, Basel; Holzbau: Casella, Bergdietikon; Bild Studio Gataric Fotografie. Label Schweizer Holz für Gesamtobjekt.

Schulhaus Chliriet, Rümlang ZH

Viele Schulbauten der Gegenwart bieten einen farblos-neutralen Hintergrund für die Kinder und ihre bunten Zeichnungen. Diese Sekundarschule ist eine gebaute Gegenthese: Kräftiges Rot prägt den konsequent additiv gedachten Holzskelettbau und die perforierten Decken. Die Böden sind grün, die Wände blassrosa, die Fenster blaugrün, die offen geführten Haustechnikrohre blau. Aussen schützen violette Platten die Balkenstirnen, schwarze Faltarme halten die türkisen Sonnenmarkisen.
Bauherrschaft: Sekundarschulgemeinde Rümlang-Oberglatt; Architektur: BS + EMI, Zürich; Holzbauingenieure: Dr. Lüchinger + Meyer, Zürich/Pirmin Jung Schweiz, Sargans; Holzbau: Hecht Holzbau, Sursee; Schreinerei: Robert Fehr, Andelfingen; Bild Roland Bernath. Label Schweizer Holz für das Tragwerk.

Hauptsitz Christoph-Merian-Stiftung, Basel

Zwar liesse sich bedauern, dass der Bestand aus dem 19. Jahrhundert in der Basler Stadt- und Dorfbildschutzzone abgerissen wurde. Doch mit drei Geschossen und Pultdach stellt der Ersatzneubau die ursprünglichen Proportionen wieder her. Ausserdem bietet er den zuvor verstreuten Mitarbeitenden der Christoph-Merian-Stiftung rund 50 stimmungsvolle Arbeitsplätze für eine zeitgemässe Zusammenarbeit. Die Fenster selbst sind eine kleine Erfindung: Für mehr Tageslicht – und um Material zu sparen – verstärken aussenliegende Holzleisten die minimierten Profile.
Bauherrschaft: Christoph-Merian-Stiftung, Basel; Architektur: Herzog & de Meuron, Basel; Holzbauingenieure: Schnetzer Puskas, Basel; Holzbau: Jean Cron, Allschwil, Bild Daisuke Hirabayashi.

Siedlung Hirtenweg, Riehen BS

Die Siedlung Hirtenweg ist der fulminante Auftakt des Basler Wohnbauprogramms «1000 +». Günstig werden wohl alle in Kostenmiete geplanten Wohnungen, aber die Messlatte von unter 1800 Franken für 4½ Zimmer im Neubau liegt tief. Das Erfolgsrezept: Vorfertigung in extremis. Die Holzmodule verliessen die Werkhalle mit allen Installationen und Oberflächen, sprich Parkett und Putz, Fliesen und Tapeten. Die Aufrichte dauerte nur sechs Wochen. Das rationale Bravourstück ist zugleich sensibel. Dank der klugen Setzung und drei Bauetappen blieben Baumbestand wie auch sämtliche Mieterinnen an ihrem Ort.
Bauherrschaft: Immobilien Basel-Stadt; Architektur: Studio Gugger, Basel; Holzbauingenieure: Gruner, Basel; Holzbau: Erne, Laufenburg, Bild Daisuke Hirabayashi.

Kategorie Schreinerarbeiten
Drei-Häuser-Hotel «Caspar», Muri AG
| Gold national

In Muri wurden die Gasthäuser «Ochsen», «Adler» und «Wolf» zum «Drei-Häuser-Hotel Caspar». Ein neuer Saalbau ergänzt das Ensemble. Tilla Theus und ihr Team sprechen von einem «fliessenden Raumerlebnis» und dem hölzernen Duft einer «intimen, in edler Eiche gefassten Schatulle» – einer gastlichen Spielfläche für gehobene Veranstaltungen aller Art. Die strukturierte Oberfläche ist dabei mehr als ein schickes Dekor: Dank CNC-Schnitttechnik und einem eigens gefertigten Werkzeug liessen sich die 20’000 pyramidalen Elemente fast abfallfrei schneiden. Versetzt angeordnet, sorgen die Dachgeometrie und die strukturierte Oberfläche für gute Akustik – gemeinsam mit Schlitzen, Hohlräumen, Akustikvliesen und Hinterlagen.

Küche «Ater Culina», Volketswil ZH: | Bronze national

Die ausgezeichnete Küche findet sich in einem umgebauten Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert. Vierkant-Fichtenhölzer von 30 mal 30 Millimeter fügen sich in traditioneller Überblattung zum filigranen, beliebig erweiterbaren Gerüst. «Keine Schraube, kein Klebstoff, keine Auszüge oder Scharniere», lautete die Idee – und bis auf die verklebten Zinken und die angeschraubten Stahlbleche ist sie auch gelungen. Ein echtes Novum ist die Oberflächenbehandlung. Der Bauherr mischte dafür Russ aus dem Schornstein mit Alkoholsprit. So wurde das im Grunde billige Holz mit holzeigenen Partikeln aufgewertet.

Zum Gelbhorn, Baden AG

Seit mehr als 400 Jahren steht das Gasthaus «Zum Gelbhorn» im Bäderquartier in Baden. Als die Besitzerin eine Instandsetzung plante, existierten keine exakten Pläne oder Bilder des historischen Bestands, es gab nur eine grobe Zeichnung der Gassenfassade. Statt diese in Form von gestemmten Holzkassetten mit Schnitzereien historistisch zu erfinden, entschlossen sich Denkmalpflege und Architekt für eine «Aktualisierung des Denkmals» als bewusste Verbindung von Tradition und Moderne. Über dem Sockel aus leicht dunkel pigmentiertem Muschelkalk steht die Beizenfront aus gelblicher, mit Ammoniak vorvergrauter Eiche. Die einstigen Kassetten mit klassischen Diamantquadern sind als Relief übersetzt.

Bauherrschaft: Bernd Reichert; Architektur: Zweifel Architekt, Zürich; Schreinerarbeiten: Merk Raumgestaltung/Schreinerei Merk, Uster, Bild Derek Stierli.